Pressemitteilung
Ende der Bio-Schweinehaltung im Staatsgut Kringell „auch wirtschaftlich unklug“
ÖDP Bayern: „Das Ziel 30 Prozent Ökolandbau in Bayern ist nur noch eine Farce.“
Vor dem Staatsgut Kringell in Hutthurm (v.l.): Kreistagsfraktionsvorsitzende Agnes Becker, Co-Landesvorsitzende der ÖDP Bayern, Kreistagskandidat Martin Höfler, Kreisrat Walter Dankesreiter, Kreistagskandidat Johannes Schmidt (KLB), Kreisrat Karl Haberzettl, Ronja Zöls-Biber, politische Geschäftsführerin der ÖDP Bayern und Bezirksrat Urban Mangold. Foto: Mina Zöls
Die ökologische Schweinehaltung am Lehr- und Versuchsbetrieb in Kringell soll bald Geschichte sein. Damit wird der einzige staatliche Schweine-Öko-Stall in Bayern nach 15 Jahren aufgegeben. „Statt ein solches Kompetenzzentrum zu schließen, sollten Bildungsangebote lieber ausgebaut werden“, empört sich Kreistagsfraktionsvorsitzende Agnes Becker, die selbst ein kleine Biolandwirtschaft betreibt. „Nicht nur Auszubildende, auch Schülerinnen und Schüler aus der Umgebung besuchten die Öko-Akademie, um sich über Bio-Schweinehaltung zu informieren.“ Das Signal dieser Schließung sei verheerend und schüre neue Unsicherheiten für die bayerischen Ökolandwirtinnen und -landwirte.
„Erst hat man das Ziel ,30 Prozent Bio bis 2030‘ im bayerischen Naturschutzgesetz verankert, nun entzieht man der Ökolandwirtschaft die Grundlagen, sich weiterzuentwickeln“, kritisiert auch Ronja Zöls-Biber, politische Geschäftsführerin der ÖDP Bayern, die viele Jahre in der Bio-Branche tätig war. „Gerade jetzt, wo die heimische Landwirtschaft zusätzlich durch das beschlossene Mercosur-Abkommen bedroht ist, sollten wir auf eine regionale Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln setzen.“ Insbesondere bei Bio-Schweinefleisch hinke die Erzeugung der Nachfrage seit Jahren hinterher. „Das Ende der Schweinehaltung in Kringell zeigt einmal mehr, dass das 30-Prozent-Ziel nur noch eine Farce ist.“
Viele Betriebe, besonders in Niederbayern, beziehen Bio-Ferkel aus dem Kringeller Schweinestall. Wo diese künftig herkommen sollen, ist unklar. „Landwirtschaftsministerin Kaniber schiebt die Verantwortung für den Ausbau der Ökolandwirtschaft stets der Verbraucherschaft zu. Doch dieses Argument zieht nicht mehr: Der Bio-Umsatz steigt wieder deutlich, der Ausbau der Öko-Flächen in Bayern stagniert dagegen, auf staatlichen Flächen sinkt der Anteil sogar. Die Folge: Importe. Indem Kaniber die Ökolandwirtschaft schwächt, handelt sie auch wirtschaftlich unklug“, sind sich Agnes Becker und Ronja Zöls-Biber einig.
Auch Walter Dankesreiter, Diözesanvorsitzender der Katholischen Landbewegung (KLB) Passau und selbst Ökolandwirt, kritisiert zusammen mit dem AK Landwirtschaft der KLB die Entscheidung scharf und hat sich im Namen der KLB in einem Brief an die Staatsministerin Michaela Kaniber gewandt. „Unverständlich ist für uns als ländlicher Verband, dass gerade der Schweinehaltungsregion Niederbayern ein wichtiger Ausbildungsbaustein für den landwirtschaftlichen Nachwuchs genommen werden soll“, heißt es darin. Hier könne erfolgreich mit den Tieren und im Sinne des Tierwohls gelernt werden. Ein Leerstand oder Abriss der teilweise neuwertigen Schweineställe sei darüber hinaus Ressourcenverschwendung.
